::webdesign by
ursulabdertscher.com

Geschichte und Bedeutung des Kaminfegerberufs.

Schon zu Urzeiten war das Schicksal der Menschen eng mit dem Feuer verbunden. Erst die Beherrschung des Feuermachens war der eigentliche Startschuss für die menschliche Zivilisation.
Laut griechischer Mythen soll Göttervater Zeus deshalb sehr entzürnt gewesen sein als der Feuergott
Prometheus (rechts im Bild) den Menschen das Feuer brachte und ihnen damit den Schlüssel zur Entwicklung in die Hand gab.

Als die Menschheit gelernt hatte, sich zum Schutz gegen Kälte, Hitze, Regen, Schnee und Wind und gegen sie bedrohende Tiere Häuser zu bauen, wurde auch das Feuer in diesen Häusern unterhalten.

Schon zu Zeiten Alexanders des Grossen (400 - 300 Jahre v. Chr.) wurden Räume mit Hilfe von tragbaren Kohlepfannen beheizt.

Die Römer installierten in ihren Häusern und Bädern in den Fussböden und Wänden schon Röhren aus Ton, durch die sie heisse Luft oder Wasser leiteten. Das waren praktisch die Vorläufer der modernen Zentralheizung.
Weiterführender Link: Hypokaustenheizung

Mit der Verwendung des Feuers zur Erwärmung der Häuser und Hütten war auch das Problem des Rauchabzuges zu lösen. Zunächst wurden einfach Öffnungen in Wände oder Dach gelassen, um den Rauch des offenen Feuers abzuleiten. Wie wenig der Aufenthalt in diesen dunklen, rauchigen, verrussten Räumen mit unseren heutigen Wohnverhältnissen zu vergleichen ist, lässt sich wohl ahnen.

Jahrtausende an Menschheitsgeschichte vergingen, ehe die Anfänge des heutigen Kamins begannen.
Mit den Burgen der Herrscher und den Klöstern wurden in Mitteleuropa die ersten mehrstöckigen Gebäude aus Steinen erstellt. Mit dieser Bauart war der Zwang verbunden, eine andere Abführung für den Rauch zu finden.

Man verlegte das offene Feuer aus der Mitte des Raumes in eine von zwei Außenwänden gebildete Ecke. Über dem offenen Feuer brachte man im Mauerwerk einen Rauchfang an, und den Rauch führte man durch zwei Rauchkanäle nach draussen ab.

Parallel zur Entwicklung der Feuerstätten und Kamine läuft die Entwicklung des Kaminfegers.

Mit der Verlegung des Feuers an eine Aussenwand und dem Bau von Rauchfängen beginnt auch die Entwicklung zum Bau von Kaminen.
Es ist anzunehmen, dass damit auch die Geschichte des Kaminfegers begann. Aus der Tatsache, dass der Bau der ersten Kamine nach Italien verlegt worden ist - nach einer Inschrift sollen im Jahre 1347 bei einem Erdbeben in Venedig viele Schornsteine (molle camina) heruntergeworfen worden sein - und aus einer Urkunde, wonach im Jahre 1331 in Prag dort in Gefangenschaft befindliche Italiener das Auskehren der Feuerkanäle vornahmen, schließt man wohl nicht zu Unrecht, dass die ersten Kaminfeger Italiener waren.

Noch zu Beginn dieses Jahrhunderts stellten lokale Feuerstätten (Einzelöfen), die mit festen Brennstoffen beheizt wurden, die Beheizung der Wohnräume sicher. Andere Feuerstättenarten gab es kaum und Zentralheizungen waren nur selten zu finden. Die Aufgabe des Kaminfegers erstreckte sich auf die Reinigung der Kamine und Feuerstätten sowie die Überwachung der Feuersicherheit dieser Anlagen.

Im Laufe einer Generation hat sich dieses Bild grundlegend gewandelt. Einzelöfen machten Platz für moderne zentrale Feuerstätten und der feste Brennstoff verlor (vorübergehend) immer mehr an Bedeutung für die Erwärmung unserer Wohnungen. An seine Stelle traten Heizöl, Erdgas und Elektrizität.
Je moderner die Feuerungsanlage, desto umfangreicher und fachmännischer muss die Überwachung und Betreuung sein. Hier findet der heutige, moderne Kaminfeger sein weites Arbeitsfeld.
Das Kaminfegerhandwerk erlebte einen Wandel von der rein manuellen Tätigkeit der Reinigung von Feuerungsanlagen hin in technische Bereiche der Feuerstätten- und Lüftungstechnik, der modernen Kaminbautechnik und des Umweltschutzes mit Überwachungsaufgaben.


Kindersklaverei – ein pechschwarzes Kapitel der Geschichte.

Wenn man heute die vielen Kitschkarten mit niedlichen Kaminfegerkindern betrachtet, vergisst man dabei leider gerne die verabscheuungswürdige Kindersklaverei, welche während des 17. und 18 Jahrhunderts gang und gäbe war.
Bevor man verlängerbare Ruten-Besen zur Verfügung hatte, wurden in der Regel kleine Kinder dazu gezwungen in die engen Kamine zu klettern um dort Pech und Russ abzuschaben. Meistens waren es hilflose Waisenkinder welche von der Strasse geholt und von Kaminfegermeistern wie Sklaven gehalten und masslos ausgebeutet wurden.
Oft wurden diese Kinder sogar den Kamin hochgejagt indem man sie mit feurigen Scheiten bedrohte oder im Ofen ein Feuer entfachte! Der noch heute beliebte Ausdruck "jemandem Feuer unter dem Hintern machen" geht auf diese qualvolle Sklaventreiberei zurück.

Dazu ein ganz persönlicher Buchtipp zum Thema:
"Als lebender Besen im Kamin" von Elisabeth Wenger
Neuauflage von I ragazzi del camino (in deutscher Sprache)
ISBN 978-3 8334-7170-4
248 Seiten Fr. 38.00
www.lisaswelt.ch

Der Kaminfeger als Glückssymbol.

Bevor der "Schwarze Mann" als Glücksbringer fungierte, wurde er wegen seiner Russchwärze sogar mit dem Teufel verglichen. Man wusste jedoch bereits im Mittelalter, das glühende Asche die aus verrussten Schloten austrat, verheerende Brände auslösen und ganze Dörfer in Schutt und Asche legen konnte. Nur der Kaminfeger konnte dies verhindern und brachte den Bewohnern somit Glück für Hab und Gut. Erst als in unserer Zeit die Kaminfeger-Gesellen zu Neujahr nicht nur die Jahreskehrrechung, sondern auch ein Kalenderblatt ins Haus brachten verbunden mit den besten Neujahrswünschen, sah man den Kaminfger als Glück bringenden Begleiter für das ganze Jahr.
Verstärkt wird dieses Glück noch bei demjenigen der auf einen Kaminfeger zugeht und ihm die Hand gibt. Laut Volksmund kann er auch im nächsten Jahr auf Fortuna hoffen.


Spannende Kaminfegergeschichte hautnah erleben kann man in diesen Museen:

Kaminfegermuseum Santa Maria Maggiore

Rauchfangkehrermuseum Wien